Peter Lipps ist verstorben

Am Samstag, den 30. Dezember ist Peter Lipps, Autor dieses Blogs, im Beisein seiner Familie und Freunde vollkommen unerwartet verstorben. Seine Familie, seine Freunde, seine Kollegen und Schüler trauern um ihn.

1 Kommentar January 2nd, 2007

Purpur in der Provence

Purpurglut am Himmel, des Morgens, am Abend. Manche Rosenblüte, Granatäpfel, gewisse Malven, Flecken auf Schmetterlingsflügeln. Zuerst die Phönizier, danach griechische Tuchfärber in Massalia, Senatoren und Gesandte im römischen Vaison und Orange. Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, wozu auch lange die Provence gehört hatte. Päpste und andere geistliche Würdenträger in Avignon, ihrem goldenen Gefängnis. Und heute?

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Kommentieren December 30th, 2006

„Jeder braucht seinen Süden“

Mit der Weihnachtspost von Traute und Günther E. erreichte uns ein knallgelbes Büchlein mit blauen Buchstaben und einem Foto eines Zitronenzweiges: „Kennst du das Land …?“ Ja, „jeder braucht seinen Süden.“ So betitelt der Schweizer Iso Camartin, vielseitiger Schriftsteller und Kulturmanger, sein kleines Buch in der Suhrkamp-Reihe „Bibliothek der Lebenskunst“, ein lebendiges, kluges, vielseitiges Brevier. Nun, sein Süden sind die Inseln des Mittelmeers, Sizilien vor allem, unserer dagegen die Provence mit dem Zentrum Luberon. Und im Kapitel „Die blaue Stunde“ berichtet Camartin tatsächlich auch von Cézanne und seinem ungeheuerlichen Blau. Gleich in der Einleitung zitiert er übrigens Ungaretti mit dem „südlichste(n) Gedicht aller Zeiten“:

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Kommentieren December 29th, 2006

Walter Benjamin über den „Angelus Novus“ von Paul Klee

Diesen Text fand ich im Weihnachtsbrief unserer Freundin Christiane G., er soll den Blogeintrag über den Schriftsteller erweitern:

„Es gibt eine Bild von Paul Klee, das Angelus Novus heißt. Ein Engel ist darauf dargestellt, der aussieht, als wäre er im Begriff, sich von etwas zu entfernen, worauf er starrt. Seine Augen sind aufgerissen, sein Mund steht offen, und seine Flügel sind ausgespannt. Der Engel der Geschichte muß so aussehen. Er hat das Antlitz der Vergangenheit zugewendet. Wo eine Kette von Begebenheiten vor uns erscheint, da sieht er eine einzige Katastrophe, die unablässig Trümmer auf Trümmer häuft und sie ihm vor die Füße schleudert. Er möchte wohl verweilen, die Toten wecken und das Zerschlagene zusammenfügen. Aber ein Sturm weht vom Paradiese her, der sich in seinen Flügeln verfangen hat und so stark ist, daß der Engel sie nicht mehr schließen kann. Der Sturm treibt ihn unablässig in die Zukunft, der er den Rücken kehrt, während der Trümmerhaufen vor ihm zum Himmel wächst. Das, was wir Fortschritt nennen, ist dieser Sturm.“

Das Bild hat Walter Benjamin 1921 erworben und später Gershom Scholem vermacht, der berichtet, daß Benjamin im „Angelus Novus“ zunächst seinen eigenen Engel sah, ihn später mit Karl Kraus in Verbindung brachte, bis er schließlich um 1940 angesichts der ungeheuren Bedrohung durch den Faschismus für ihn zum Engel der Geschichte wurde.

Kommentieren December 17th, 2006

Rudolf Bonvie, „La Sainte Victoire“, in der Galerie Justine Lacroix in Marseille

DSCF7354.JPGAm Gewitternachmittag lud mich Hermann zur Fahrt nach Marseille ein. Wir hatten Glück, denn vor der Küste hörte der Regen auf, und zuweilen glänzte das Meer unter den Wolkenballen. Nur über der Stadt stand lange eine schwarze Wand, vor der sich leuchtend die Häuser, aufblitzend die Möwen abhoben. Im Stau auf der Hochbrücke gab es gute Gelegenheit, auf den Hafen zu schauen und im Stau in der Innenstadt den Fortschritt im Gleisbau der Straßenbahn wahrzunehmen. Zuletzt fanden wir in der Rue Saint Savournin nahe der kleinen Galerie Justine Lacroix (nach de Sades Justine) noch einen verkehrswidrigen Parkplatz, was aber in der Rushhour keinen störte.

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Kommentieren September 18th, 2006

Wind-, Sicht-, Lärm- und Diebstahl-Schutz

Überall dort, wo die Rhône Schwemmland ausgebreitet hat, ziehen unzählige Hecken und Baumreihen, zumindest zeitweilig Zäune aus Schilfrohr oder Bambus durchs Land: Windschutz gegen den Mistral, deshalb stets von Ost nach West reichend. Da wechseln, dichtgepflanzt, dunkle Zypressen mit wilden Pflaumen ab, blauschimmernde Nadelhölzer mit Pappeln. Landstraßen, oft noch von Platanen gesäumt, und schmale Feldwege, Kanäle und Wassergräben, Eisenbahnlinien und Schnellstraßen durchkreuzen und durchkurven wahllos und wild diese riesengroß ausgebreitete Parallelenschar. Dazwischen die Punkte der Häuser, klein die „Cabanons“, größer die „Mas“, wie Flecken (schwäbisch für Dorf!) die „hameaux, villages, villes“. Schön zu schauen von den Bergeshöhen entlang der Rhone, vom Luberon und den Alpilles, oder von den vielen Heißluftballons, die manchmal recht indiskret über den Pool oder am Fenster vorbei „fahren“; noch schöner im Luftbild vom Flugzeug aus, wenn Marignane den Abflug oder Anflug bestimmt. Wer genauer hinschaut, bemerkt, daß dieser Windschutz aus Hecken und Bäumen dort am dichtesten steht, wo Gemüse und Obst angepflanzt wird. Schon schütterer die Reihen, um den Wein zu schützen, noch weniger bei Getreideäckern und Grasland, und kahl zuletzt die Steinwüste der Crau. Und wie wohnt sich’s hinter der Hecke? Windgeschützt und mit sehr begrenzter Aussicht!

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Kommentieren August 19th, 2006

Musik im Château de l’Empéri in Salon-de-Provence

2006_0811Paul-Roussillon0005.JPGDas alte Salon des Arztes und Sehers Nostradamus (geboren 1503 in St. Rémy und ab 1547 bis zu seinem Tod 1566 hier ansässig) bildet noch immer den Kern der Stadt, die überragt wird vom Schloß, „l’Empéri“ genannt, weil es im Mittelalter die staufischen Kaiser und deren Nachfolger vom 11. – 15. Jh. beherbergte, wenn sie hier weilten. Um das ältere Gemäuer ziehen sich die Vorstädte mit den großen Wohnblöcken, denn Salon ist auch für die Militärs und die Flieger („Patrouille de France“) ein wichtiger Ort. Östlich und südlich begrenzen die Autobahnen den Umkreis, und im Norden ragen in der Ferne die „Alpilles“ (ohne daß sie den Mistral abhalten könnten).

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Kommentieren August 11th, 2006

Paul Signac, le bonheur en Provence

2006_0724Signac0001.JPGDas kleine und feine Musée Angladon in Avignon zeigt bis zum 15. Oktober 2006 Zeichnungen, viele Aquarelle und einige Ölgemälde von Paul Signac, der sein Glück in der Provence gefunden hatte (die er als geschickter Segler einmal auch mit dem Boot von England aus erreichte und wo er u. a. St. Tropez und die Côte d’Azur für sich entdeckte).

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Kommentieren July 14th, 2006

Gott erhalte dich, liebes Cucuron!

„Gott erhalte dich, liebes Cucuron, und schütze dich vor dem vermeintlichen Fortschritt.“
Wohl alle, die das verträumte Dorf am Südfuß des Großen Luberon kennen, werden dem frommen Wunsch zustimmen, mit dem Marcel Pobé 1962 die Götter um Hilfe bat. Damals erschien einer der besten Provenceführer im Walter-Verlag in Olten und Freiburg i. B., geschrieben von Marcel Pobé und illustriert mit 191 Schwarzweißfotos von Josef Rast: „Provence, Führer durch das Land im Licht“. Vor Jahrzehnten haben wir das Dorf oft besucht, wenn wir mit den Kindern und Freunden zum Baden zum „Ètang de la Bonde“ gefahren sind. Da saßen auch wir unter den riesigen Platanen am großen Wasserbecken, um von der Natur (man wähnte sich am Ètang de la Bonde mit seinen Pappeln und Weiden am Ufer wie an einem oberbayrischen See) allmählich in die Kultur (Café, Kirche, Museum, Ruine, Markt) zurückzukehren. Heute schmückt ein großes Foto die Wand des Cafés: Der Husar auf dem Dach, genauer: auf den Dächern von Cucuron, denn ein Teil des Films nach Gionos Roman wurde hier gedreht (anderes z. B. auf der Hochfläche des Contadour).

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Kommentieren July 11th, 2006

In meinem Biergarten

Mein Biergarten ist natürlich keiner, aber ich sag es heute mal so, weil ich unter meiner Biergartenlinde sitze; meine Biergartenkastanie beim Brunnen steht übrigens im Blickfeld! Ich trinke ein Glas Crémant, und um mich ist Stille! Selbst die Zikade ist verstummt, es ist ihr wohl trotz der Sommerhitze „canicule“ (merket auf, ihr Sterngucker!) zu windig. Also nichts mit Bayern, obwohl der Himmel bläut, nichts mit Radi, wohl aber später kleine Tomaten aus dem Gärtchen. Nichts mit deutschen Fahnen und Bier nach deutschem Reinheitsgebot, noch weniger mit Trikolore und Champagner. Aber zurück zum Platz (den Zidane in seinem letzten Spiel seiner großen Karriere nach einer Tätlichkeit mit einer roten Karte verlassen mußte. Und wie schrieb noch Le Figaro: „Zidane – Apothéose!“ Und anderswo las ich vom „L’ange bleue.“ Nun ja, es gibt auch gefallene Engel.): der Sitz-Platz unter der Linde ist eine ehemalige Stuttgarter Straßenbahnschwelle, die Lehne eine alte, stets beschattete Steinmauer, der Tisch ein quadratischer Säulenstumpf mit kleiner Sandsteinplatte; darauf, um Zeitungen und Briefpapiere zu beschweren, ein Straußensandsteinei vom Acker und ein flacher Kiesel. Falsch: jetzt beiseite gelegt, um dem Laptop und der Maus Platz zu machen.

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Kommentieren July 11th, 2006

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