Posts filed under 'Baukunst'
Das alte Salon des Arztes und Sehers Nostradamus (geboren 1503 in St. Rémy und ab 1547 bis zu seinem Tod 1566 hier ansässig) bildet noch immer den Kern der Stadt, die überragt wird vom Schloß, „l’Empéri“ genannt, weil es im Mittelalter die staufischen Kaiser und deren Nachfolger vom 11. – 15. Jh. beherbergte, wenn sie hier weilten. Um das ältere Gemäuer ziehen sich die Vorstädte mit den großen Wohnblöcken, denn Salon ist auch für die Militärs und die Flieger („Patrouille de France“) ein wichtiger Ort. Östlich und südlich begrenzen die Autobahnen den Umkreis, und im Norden ragen in der Ferne die „Alpilles“ (ohne daß sie den Mistral abhalten könnten).
Verlassen wir Oliven und Wein, Seifen und Märkte und den alten Wahrsager (und auch den Zoo von Barben und die Höhlensiedlungen von Calès) und steigen wir zum Schloß hinauf mit seinem berühmten Militärmuseum: Im Vorhof erwarten uns im Sommer Jazzkonzerte und im Ehrenhof, in der Renaissance ausgestaltet, erlesene Kammermusik. 1993 begründeten der Pianist Eric Le Sage, der Flötist Emmanuel Pahud und der Klarinettist Paul Meyer eine Kammermusikwoche, die inzwischen zum Festival de Musique en Salon-de-Provence herangewachsen ist. Hier musizieren Meister ihres Instruments Kammermusik in oft ausgefallener Besetzung und neben den großen Meisterwerken auch weniger Bekanntes. Leider haben wir hier im Vaucluse viel zu spät davon erfahren, und erst jetzt sei von unserem ersten Besuch berichtet, der dies alles beispielhaft belegt (und wer daran nicht interessiert ist, mag hier mit dem Lesen aufhören).
Der Mistral tobt, und am Abend wird es mehr als nur sommerkühl, es wird richtig kalt, erst recht im Schloßhof, in den der Wind immer aufs neue wirbelnd einfällt und die Haare der Zuhörer genauso durchwühlt wie die Noten der Musiker. Da müssen schließlich neben den bekannten Wäscheklammern noch bis zu vier Helfer beistehen! Der großartigen Musik tut das kaum Abbruch, denn die hervorragende Akustik dieses Innenhofes hält auch diesen Attacken stand. Sie bewährt sich, so wie für uns der Blick auf den Arkturus, der nordwärts mit der Deichsel des Großen Wagens über das Schloßdach niedersinkt.
Wir hören zum Auftakt „Variationen“ von Schumann in der Fassung für Klavier, Klarinette und Violoncello, kunstvoll und teilweise sehr berührend. Dann folgt das berühmte d-moll-Klaviertrio von Mendelssohn, in dem Pahud die Violinstimme auf seiner Querflöte bläst. Peter, als Geiger, ist hingerissen! Der Genfer Emmanuel Pahud, u.a. Schüler von Nicolet, wurde mit 20 Jahren unter Abbado Soloflötist der Berliner Philharmoniker (und scheut sich auch nicht, die Violinsonate von César Franck zu flöten). Karin geht in der Pause, total durchfroren, zum Auto und kehrt, zu ihrem Glück, in eine alte, durchlöcherte Decke gehüllt, zurück. Jetzt folgt „En plein air“ für Harfe, Flöte, Klarinette und Streichquartett von Wolfgang Rihm, der heuer in fast allen Konzerten vertreten ist, dann das „Original“ in dieser Besetzung, „Introduction et Allegro“ von Ravel: eine Sternstunde! Den Abschluß, es geht schon auf Mitternacht zu, bildet eine schöne Wiedergabe des Schumannschen Klavierquintetts. (Neben den schon genannten drei Künstlern spielten noch ein weiterer Pianist, eine Harfenistin und zwei Streichquartette; wir bitten um Nachsicht, wenn wir sie nicht namentlich aufzählen.)
Zuletzt ein „Anblick“ auf Flügeln der Ravelschen Musik: Die schöne Harfenistin sitzt in rotem Gewand hinter ihrem goldglänzenden Instrument; sie hat die Schuhe abgestreift und bedient die Pedale mit nackten Füßen, während darüber die feinen Hände über die Saiten gleiten. Halb hinter ihr wiegt sich der flötende Pan im Rhythmus der Musik und setzt markante Akzente. Was raunt er ihr so beschwörend ins Ohr? Was weht er tönend in ihr schwarzes Haar?
Kommentieren August 11th, 2006
Zwischen dem Kleinen Luberon und dem Tal des Calavon erstreckt sich eine Hügelkette mit Wäldern, Weinfeldern und vielen Steinbrüchen. Auf einem Sattel westwärts liegt das Dorf Ménerbes, am letzten Abhang ostwärts Lacoste mit seiner Schloßruine. Auf halbem Weg führt von der Verbindungsstraße D 109 eine breite Piste abwärts zu einem besonnten und gegen den Mistral geschützten Plateau auf halber Höhe mit einem schönen Blick auf das Valmasque-Tal und zum Luberon. Hier entstand im 13. Jh. eine kleine Karmeliter-Abtei, die sich nach wechselvoller Geschichte und mancher Zweckentfremdung heute in Privatbesitz befindet und unentgeltlich für einen Besuch offensteht. Die Besitzer kümmern sich seit fast 50 Jahren sehr engagiert um den Erhalt der Klostergebäude und der Gartenanlagen. Durch manche Probe unseres kleinen Chors wurde mir, wie vielen anderen, dieser Ort besonders lieb.
An der Bergseite liegt die kleine romanische Kirche (mit ihrer guten Akustik), die man durch eine Vorhalle betritt. Nach links öffnen sich vom hohen Schiff aus zwei kleine Seitenkapellen, nach Osten wird der Chorraum mit seinen drei Fenstern in ebener Front abgeschlossen. Nach rechts gelangt man in einen Innenhof, der mit zwei überdachten Gängen als Kreuzgang gedient hat und seine ungleiche Grundform dem felsigen Untergrund verdankt. Vom Kapitelsaal blickt man über einen Garten hinweg zum Luberongebirge hinüber. Weitere Räume und auch die Küche schließen sich quer an. Die Südwestecke und die Obergeschosse sind bewohnt.
Sehr schön ist der Platz hinter den Abteigebäuden mit seinen Säulen, Felsnischen, Wasserbecken, Rosenbüschen und den Zypressen auf der hohen Bastei, die auf ein tiefer gelegenes Wasserbecken blickt. Die Quellen und Grotten weisen darauf hin, daß hier gewiß schon lange fromme Einsiedler gewohnt haben, ehe die Kirche gebaut und dem Heiligen Hilarius von Arles geweiht wurde. Auf seiner Rückkehr vom 7. Kreuzzug (1254) weilte hier auch Ludwig der Heilige und erhob den Konvent zu einer königlichen Abtei. Übrigens sind die auffälligen Löcher in der Ostwand außen Reste eines alten „Pigeonniers“, hier einer „Taubenmauer“.
Im Tal findet man 2 km nach Ménerbes in Richtung Bonnieux den „Dolmen von Pichouno“, 2500 J. v. Chr., das einzige Beispiel im Vaucluse.
1 Kommentar June 26th, 2006
Vom westlichen Ende der „Alpilles“ blickt man über die weite Ebene südlich nach Arles mit den Ruinen von Montmajour, nordwärts zu den Hügeln „La Montagnette“ bei Avignon und nach Westen hinüber zur Rhône mit Tarascon und Beaucaire. Jetzt versetze man sich zurück ins hohe Mittelalter: Zu Füßen des Gebirges drängt sich die Rhône schäumend gegen den Kalkfels, zwischen ihren vielen Armen liegen Kiesbänke und Sümpfe. Der uralte Handelsweg „Via Agrippa“ der Römer von Arles nach Norden führt hier vorbei und kreuzt den Ost-Westweg, die „Via Domitia“, von der Haute Provence ins Languedoc. Fischerboote schwanken an ihren Stricken, eine Fähre quert den Strom und die Fahrt der H
andelsboote, die talab treiben, bergauf getreidelt werden, Floße schwimmen südwärts. Eine Prozession von Fischern, Fuhrleuten, Schiffern und ihren Frauen zieht das Ufer entlang zur Kapelle „Saint-Gabriel“. Schon von weitem erblicken die Gläubigen im Giebelfeld das „Viergetier“; es ist ihnen von anderen Kirchen im romanischen Süden vertraut: seitlich der Löwe des Markus und der Stier des Lukas, sie werden ihnen im Altarraum wieder begegnen, und oben der Adler des Johannes, unten der Engel-Mensch des Matthäus. Singend steigen sie treppauf zur kleinen Vorhalle, um in das kühle Dunkel einzutreten. Diesen Schwellenübertritt von der Landschaft außen in den Kultraum innen markiert das Viergetier.
Im vergleichsweise reichen plastischen Schmuck des Einganges werden die Frommen an den Sündenfall erinnert und an den Propheten Daniel, der von Christus kündete, hier zwischen zwei besänftigten Löwen. Darüber erblicken sie Bilder von der Geburt
Kommentieren June 10th, 2006
Vor Jahrzehnten wählten wir einmal bei der Fahrt nach Stuttgart den Weg über Buis-les Baronnies nach Serre und blickten voll Staunen vom Col d’Ey auf den weiten Kessel von Ste. Jalle, den das Wasser des Ennuye ausgebildet hat. Jetzt standen wir wieder dort, um nach einem Besuch der Kirche in Ste. Jalle ins obere Ouvèze-Tal zu fahren.
Die romanische Kirche inmitten der Felder abseits des kleinen Dorfes, heute ND de Beauvert genannt, stand einst unter dem Einfluß von Cluny, doch verwaiste das Priorat schon im Mittelalter. Der Name Sainte Jalle geht wohl zurück auf die Jungfrau Galla im Kloster Valence, die im frühen Mittelalter lebte.
Die Kirche aus dem 12. Jahrhundert ist ein dreijochiges Längsschiff mit einem Querschiff und drei halbrunden Apsiden. Der Glockenturm über der Vierung überrascht durch seine Größe; er wurde erst später aufgesetzt und man mußte deshalb nachträglich auch Strebepfeiler zur Verstärkung hochmauern. An seiner Ostseite gewahrt man links der beiden großen Schallfenster einen weiblichen Kopf über einem fünfarmigen Kreuz, eine „Transenne“, die vermutlich aus dem älteren Teil der Kirche stammt.
Überraschend ist die reiche Gestaltung des Hauptportals mit Säulen, Rundbogen und (leeren) Nischen für Heiligenfiguren. Im Tympanon sieht man von rechts nach links einen Violaspieler, vielleicht ein Troubadour, einen Mann mit einer Eule auf der Schulter, einen dritten mit einem (Bettel)Sack und Stab, Hirte oder Pilger, daneben ein großer Hahn – ein schwer zu deutendes Bild.
Wir fuhren nach dem Besuch talaufwärts auf den fast 1400 m hohen Vanige zu und weiter auf der D 64 über den Col de Peyruergue ins Tal der Ouvèze. Unser Ziel war Somecure, das kleine Dorf am Talende, wo der Deutsche Karl Ebermann seit gut zwei Jahrzehnten einen Demeter-Hof in biologisch-dynamischer Wirtschaftsweise betreibt (und wo man neuerdings auch Ferien machen kann!). Dort holten wir Arthur Husemann ab, Neuntkläßler der Waldorfschule in Berlin-Kleinmachnow und Sohn ehemaliger Kollegen, der dort sein dreiwöchiges Landwirtschaftspraktikum gemacht hatte. Ihn brachten wir am nächsten Morgen in aller Frühe nach Marignane zum Flughafen. Auf dem Heimweg fuhren wir dann durch die Schlucht des Toulerenc nach Sault und sahen jetzt den Mont Ventoux von der anderen Seite.
Kommentieren May 14th, 2006
Am Ende der Ardèche-Schlucht, heutzutage im Sommer ein Rummelplatz ohnegleichen, liegt gegenüber der eindrucksvollen Kulisse von Aiguèze das Dörfchen St. Martin d’Ardèche, wo sich Leonora Carrington und Max Ernst am 15. August 1938 ein Haus mit Nebenbauten und viel Land kauften. Argwöhnisch beobachteten die Dörfler das exzentrische Paar und ihre verrückten Besucher, die in harter Arbeit das Anwesen restaurierten und mit allerlei Kunstwerken schmückten. (Man erreicht das Haus vom Kreisverkehr im Südosten des Dorfes aus bergauf).
Dann brach der Zweite Weltkrieg aus und viele Deutsche, die vor den Nazis nach Frankreich geflohen waren, mußten sich bei der Polizei melden. Max Ernst, schon bald zwei Jahrzehnte in Frankreich „zu Hause“, folgte der Aufforderung nicht und wurde Tage später in Handschellen abgeführt. Aus dem Lager bei Aubenas wurde er Ende Oktober in das große Internierten-Lager Les Milles bei Aix überstellt. Auf Betreiben seines Freundes Paul Eluard kam er an Weihnachten aber wieder frei.
Es folgte eine Phase konzentrierter Arbeit am Haus und am malerischen Werk. Mit dem Beginn des „Blitzkrieges“ im Westen im Mai 1940 wurde Max Ernst erneut in Les Milles interniert. Leonora Carrington konnte die neue Situation nicht bewältigen, erlitt einen Nervenzusammenbruch und verkaufte unter dubiosen Umständen das Haus samt allem, was darin von Max Ernst und den Freunden aufbewahrt war. Während sie über Andorra schließlich nach Spanien ausreisen konnte, war Max Ernst in jenem Gespensterzug unterwegs, der von Aix nach Bayonne und wieder zurück nach Nîmes fuhr.
Erst viel später, im Juli 1941, kam Max Ernst mit Hilfe Varian Frys und der Unterstützung von Peggy Guggenheim, die sich in den Künstler verliebt hatte, aus Frankreich frei und erreichte mit dem Flugzeug New York, wo er kurze Zeit mit der Sammlerin verheiratet war. Die anrührende Liebesgeschichte zwischen Max Ernst und der jungen Leonora Carrington, die so dramatisch endete, liest man am besten in dem Buch von Silvana Schmid, die Jahre lang genau recherchiert und alles höchst lebendig dargestellt hat: „Loplops Geheimnis, Max Ernst und Leonora Carrington in Südfrankreich“, Frankfurt a. M. 2000.
Dort ist auch zu erfahren, was aus dem Haus in St. Martin d’Ardèche wurde, wohin viele der Kunstschätze verschwanden und warum das Haus erst im Jahr 2000 unter Denkmalschutz gestellt und die „Reste“ der Reliefs restauriert wurden.
Hinter dem geheimnisvollen Namen „Loplop“ verbarg sich Max Ernst selbst, andererseits verwendete er den Namen „Loplop alias Hornebom, der Vogelobere“ auch für manche seiner Vogeldarstellungen in Frottagen und Collagen, Gemälden und Skulpturen. Schon früh zeigte sich seine Besessenheit vom Vogelthema: „Am 2. April 1891, um 9.45 Uhr, hatte Max Ernst seinen ersten Kontakt mit der fühlbaren Welt, als er aus dem Ei schlüpfte, das seine Mutter in eines Adlers Nest gelegt hatte, und welches der Vogel dort sieben Jahre ausgebrütet hatte.“ (Autobiographie) – „Loplop présente“ wurde gewissermaßen sein Markenzeichen.
Mit seiner Frau Dorothea Tanning kehrte Max Ernst 1953 nach Frankreich zurück und nahm zuletzt Wohnung in Seillans im Var, wo das Paar fünf Jahre später 1968 ein eigenes Haus mit großem Garten bezog. Am 1. April 1976 starb der Maler in seiner Pariser Wohnung, in die er krankheitshalber zurückgekehrt war. Auf dem Bouleplatz von Seillans mit seinem weiten Blick ins Land erinnert eine Statue an den Künstler.
Kommentieren April 9th, 2006

Das Wasser, das die Römer einst über den Pont du Gard nach Nîmes leiteten, kam von den Höhenzügen, die heute vom Städtchen Uzès beherrscht werden.
Viele Reisende haben sich schon in Uzès verliebt und kommen immer wieder gerne hierher.
Warum wohl? Sie erliegen dem Charme einer besonderen Stadt am Rande der Provence und nahe am Pont du Gard.
Beherrscht wird die Altstadt, von einem teilweise platanenbestandenen Boulevard umschlosen, vom Schloß der Herzöge, der „Duché“. Die Gassen der Altstadt mit überraschend feinen Läden führen zur „Place aux Herbes“, rundum von Arkaden umgeben, besonders im Sommer ein zauberhafter Platz. Versteckt in der „Krypta“ nahe der „Duché“ findet man geheimnisvolle Reliefs aus dem 4. Jh.
Das Gegenstück zur alten Stadt mit dem Schloß bildet die Kathedrale Saint-Théodorit aus dem 17. und 19. Jh. Von der romanischen Kirche blieb nur der runde Glockenturm, einzig in Frankreich, mit sechs Rundbögen-Geschossen: „La Tour Fenestrelle“. Er blickt auf eine großzügige Parkanlage mit alten Bäumen: die „Promenade Jean Racine“; der Dichter verbrachte 22-jährig einige Zeit bei seinem Onkel, einem Geistlichen. Dort sollte der Dichter von seiner Theaterleidenschaft geheilt werden; zum Glück vergebens. Er fand übrigens die Nächte in Uzès schöner als die Tage in Paris!
Uzès (1987)
Von Gendarmen geleitet,
Le Tour de France
jagt vorbei:
Peleton et Maillot Jaune.
Geschundenen Knechten
erklingt als Heroen
Siegesgeschrei wie in Trance.
Fernab überm Grün
La Tour Fenestrelle:
Mauersegler und Schwalben
stürzen ins Licht,
ersinnt Racine
sein Gedicht
für Mademoiselle.

Kommentieren April 2nd, 2006
Zwischen Gordes und Goult im Departement Vaucluse liegt das kleine Dörfchen St. Pantaléon mit seinem romanischen Kirchlein auf einem Fels, aus dem einst Gräber rund um die Kirche gehauen wurden. Mit dem Bau der Kirche wurde im 5. Jh. begonnen, die Erweiterungen wurden bis zum 11. Jh. abgeschlossen. Auf den umgebenden Höhen (mit einem der vielen Steinbrüche der Gegend) läßt sich gut wandern und spazieren, in der Ebene breiten sich Weinfelder, Obstgärten und Gemüsefelder aus.
Auffällig in der Nekropole sind die vielen kleinen Kindergräber. Wie sind sie hier und auch sonst in der Provence zu erklären? Der Namenspatron Pantaleon hilft weiter, zählt der Heilige und Märtyrer doch zu den Vierzehn Nothelfern und gilt als Schutzheiliger der Ärzte und Hebammen.
Vermutlich wurden in den kleinen Felsgräbern jene Neugeborene bestattet, die noch vor der Taufe verstorben sind. Für sie las man eine Messe und vertraute darauf, daß sie dadurch die Auferstehung erlebten und als damit „Getaufte“ endgültig begraben werden konnten.
Kommentieren March 29th, 2006
Was sagt uns der Ortsname Carpentras? Ein schöner Markt am Freitagvormittag in der Altstadt und davor auf der großen Platanenallee! Die gotische Kathedrale St. Siffrein und die älteste Synagoge Frankreichs! Winters Trüffelmarkt! Die süßen „Berlingots“! Wasser für Gemüse, Obst, Erdbeeren durch den Canal Durance – Carpentras! Blick auf den Mont Ventoux und die Dentelles de Montmirail! Start legendärer Zeitfahren bei der „Tour de France“ bis zum Gipfel des Mont Ventoux!
Carpentras war einmal die Hauptstadt des Comtat Venaissin und ist auch geographisch durch seine Hügellage über dem Flüßchen Auzon Mittelpunkt einer weiten Ebene, die westwärts bis zur Rhône reicht, sonst aber durch Gebirge begrenzt ist: die phantastische Felsenlandschaft der „Dentelles“, im Norden der überragende Mont Ventoux, die Vorberge der Alpen, das Plateau de Vaucluse mit dem Bergnest Venasque, dem alten Sitz der Bischöfe, die erst später ihre Residenz in Carpentras nahmen, und das der Grafschaft den Namen gab.
Heute ist das Städtchen mit seinen rund 25 000 Einwohnern im Umbruch: man restauriert und saniert, man plant in alten Gemäuern große Projekte für Tourismus und Kultur (Sommer-festival), man versucht den überquellenden Verkehr im Ringverkehr um die Altstadt und mit Umgehungsstraßen zu kanalisieren. Die Kathedrale beherrscht die Innenstadt und überrascht mit der sog. „Judenpforte“ (für Konvertiten bei ihrer Taufe) an der Längsseite: ein Beispiel der Spätgotik mit ihrem Stil „Flamboyante“ (im „Grünen Reiseführer“ der Provence von Michelin auf Seite 40 genau beschrieben).
Auf der Gegenseite steht in der Ecke eines kleinen Platzes hinter dem Justizpalast ein bescheidener römischer Triumphbogen mit der Darstellung zweier Gefangener. Hier erreicht man auch mit wenigen Schritten das alte Judenviertel mit der Synagoge, unscheinbar eingefügt in einen Häuserring. Ihre heutige Gestalt, mehrfach renoviert, erhielt sie im 18. Jahrhundert, als die jüdische Gemeinde ihre Blütezeit hatte. Von der gewaltigen Mauer mit 32 Türmen und 4 Toren aus dem 14. Jahrh., geschleift im 19. Jahrh., gibt nur noch die „Porte d’Orange“ Zeugnis.
Rilke schrieb am 12. März 1914 aus München (zurück aus der Provence) an Marie Taxis:
„Carpentras, bitte, wenn sich’s thun läßt: das Alteleutehospiz dort, von einem der Bischöfe herrlich aufgebaut, mit lauter ganz klein gewordenen alten Leuten, um die herum das Haus immer größer wird – , eventuell auch die alte schöne Synagoge dort – ; der Blick vom Balkon des Hospitals auf den Ventoux …“
Kommentieren March 21st, 2006
Das Bergnest La Roque-Alric liegt zu Füßen einer Felswand, die wie ein Solitär die Kette der „Dentelles de Montmirail“ gegen den Mt. Ventoux hin fortsetzt. An den Felsen angelehnt ist die kleine romanische Kirche, an die sich eine Häusergruppe anschließt. Von hier hat man einen überwältigenden Blick auf die Felskulisse im Westen. Man erreicht das Dorf über Beaumes-de-Venise und Lafare oder von Le Barroux aus.
Wir parken im Dorf, das von einem wild kläffenden, kleinen schwarzen Hund gut bewacht wird, besuchen die Kirche und gehen dann hoch zum Friedhof. Dort senkt sich nach links der Wanderweg nach Le Barroux, dem wir folgen bis die Landstraße in Sicht kommt, und in Sicht kommt auch der Gipfel des Mt. Ventoux. Wir verlassen den markierten Weg und gehen die Straße kurz aufwärts, um dann scharf nach links einzubiegen (gelbe Markierung). Etwas später erreichen wir die „Randonnée de pays“, die durch den Wald abwärts führt. Der Blick schweift bald über die Ebene von Carpentras, und der rot-gelb markierte Weg zieht sich am Hang die Weinberge entlang. Nach „La Couronne“ geht die Straße rechts kurz steil aufwärts und später weiter durch die Weinberge. Hier zweigt zuerst der Weg nach Beaumes-de-Venise, später der nach Lafare ab. Wieder öffnet sich der Blick auf die „Dentelles de Montmirail“, und wir erreichen auf bequemem Weg nach knapp drei Stunden wieder unser Dorf. Schön ist der Weg im Winter, falls der Mistral nicht gar zu heftig weht, schöner in der Mandelblüte, heiß im Sommer, köstlich, wenn die Trauben reifen.
Wir beschließen die Tour in Le Barroux, das sich jetzt in den Februartagen in der Stille zeigt: Aufstieg zum großen Schloß, das das Land beherrscht. Die Burg aus dem 12. Jh. wurde später zu einem prächtigen Renaissanceschloß ausgebaut. Wir blicken in den Innenhof und schauen in die Weite. Kleiner Bummel durch die Gassen, unten in der Ebene dann die Weinfelder, Mandeln und silbrig glänzende Ölbäume.

1 Kommentar February 18th, 2006
Auf der Straße von Apt nach Lourmarin (D 934) biegt man nach wenigen Kilometern, wenn der Wald zur Rechten endet, nach links ab und fährt bergauf bis zur Weggabelung, wo der Wegweiser für die Radfahrer nach rechts zeigt; hier läßt sich gut parken. In der alten Richtung weiter bergauf und vor dem Wald nach links abbiegend erblickt man schon bald den Hof aus dem 17. Jh., „Les Vieilles Tourettes“, mit seinem Taubenturm und dem großen Innenhof. Dort kann man übrigens hübsch wohnen und immer wieder gute Konzerte hören. Von hier führt die GR 9 von Apt kommend aufwärts Richtung Buoux. Nach kurzem Anstieg quert man den Weg zum „Vieux château des Tourettes“, einem großartigen Platz mit weitem Blick. Der sehr kurze Abstecher lohnt sich,
denn man findet hier auf einer Hochfläche einen Brunnen mit großem runden Becken und dahinter ein schönes, gelb getünchtes Wohnhaus, angebaut an ein altes Kirchlein aus dem 12. Jh., Saint-Pierre-des-Tourettes, das zur Zeit restauriert wird. Die Abtei wurde im 11. Jh. im Apter Kirchenbuch mehrfach erwähnt, verlor später aber an Bedeutung, und die Kirche diente Wohnzwecken. Ein Fundstück von hier, nämlich ein Teil eines Marmorbeckens, wird im Musée Calvet in Avignon aufbewahrt. Es trägt die griechische Inschrift „Bete, nachdem du dich gewaschen hast.“ Aus den rituellen Reinigungen der Urchristen hat sich wohl das Weihwasser entwickelt.
Der gut markierte Weg, ein alter „Kirchweg“, teilweise noch befestigt und von Mäuerchen gesäumt, führt stetig bergauf und quert auf der Höhe ein Sträßchen. Hier geht man nach rechts, auch bei der Weggabelung und erreicht die Kuppe von Clermont mit Ausblicken nach fast allen Seiten. Leider kann man die restaurierte Kapelle nicht besichtigen, denn die ganze Bergkuppe ist in Privatbesitz. Man sieht auch nur einen Teil des Bogens über dem Südeingang, der ähnlich gestaltet ist wie unten in Saint-Pierre und daneben die alte Sonnenuhr. Auf der höchsten Erhebung finden sich noch letzte Steinreste einer alten Burg. 1041 wurde das „territorium Clarimontis“ erstmals erwähnt.
Einige Schritte südwärts ist ein weiteres Gebäude erhalten, und der Besitzer erlaubte mir freundlicherweise seine Terrasse zu betreten, um das eindrucksvolle romanische Rundbogenportal zu betrachten. Von diesem Hof aus kehrt man zum Wanderweg zurück und folgt ihm eben bis zur Abzweigung „Les Picatiers“ und steigt nach rechts ab.
Dieser schöne Weg wurde von F. Morenas wiederhergestellt und führt zu den Kirschäckern von Les Tourettes. Auf dem Sträßchen kommt man zurück zum Parkplatz. Die Gehzeit beträgt etwa 2 Stunden.
2 Kommentare February 17th, 2006
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