Feuer und Wasser als „Feuerwasser“ müßte in der Provence eigentlich der Pastis sein, oder ist es der Marc, der Traubenschnaps? Doch darum geht es hier nicht. Es geht vielmehr um die Plagen des Landstrichs und um die Freuden von allerlei Landstreichern. Seit alters zählt die Durance zu den drei provenzalischen Geißeln und gemeint sind ihre verheerenden Überschwemmungen, und deshalb soll vom Zuviel und vom Zuwenig des Wassers die Rede sein. Die verheerenden Feuer aber sind die Waldbrände, und es gilt des heroischen Kampfes der Pompiers zu gedenken; aber auch im Kleinformat läßt sich zündeln! Zwar steht der Löschwasserschaden am Ende vieler Brände, aber hier mag das feuchte Element den Vortritt haben!
Das ideale Bauernjahr bringt nach der Weinlese mäßigen, anhaltenden Regen, der wieder aufhört, um die Felder in Ruhe bestellen zu können. Dann darf er zart die Saat anfeuchten, gerne als Schnee die Felder bedecken, und jetzt mag auch Frost kommen, allerlei Schädlinge auszumerzen. Gut ist es, wenn der Schnee die Straßen freiläßt, denn zumindest der Flachlandprovenzale kommt mit Schnee- oder gar Eisglätte kaum zurecht! Zufrieden blickt der Landmann in den gefüllten Brunnen und freut sich auf all die Blütenpracht von Mandel und Pfirsich über Kirsche zu Apfel und Birne: Jetzt bloß keine Nachtfröste! Im Frühling dann und wann ein Landregen, aber auch genug Sonne und den nötigen Wind. Und schön ist es, das Korn in trockenen Wärmetagen zu schneiden und noch schöner, voll ausgereifte Trauben trocken einzubringen. Aber …
Es gab Jahre, da brachen Bäume und Stromleitungen unter der Last des feuchten Schnees, andere, da standen die Camions in Reihen auf der Autobahn, und die Helden der Landstraßen fackelten ihren Diesel wieder flüssig; damals fuhren wir mit 80 km/h „halbversulzt“ nach Deutschland zurück! Es gab Fluten und Überschwemmungen, selbst der Rhone, nach anhaltenden Regenfällen, Katastrophenalarm war angesagt und Tote waren zu beklagen. Wie damals im Hochsommer, als sich bei Vaison-la-Romaine mehrere Gewitter zusammenzogen, bis schließlich Höllenfluten nieder gossen und Campingplätze und Häuser in den Flußauen mitrissen. Übrigens hielt die alte römische Brücke stand, was auch niemanden verwunderte, auch nicht die alten Provenzalen, die die Gefahr des Wassers noch richtig einzuschätzen wußten und nie und nimmer dort bauten, wo das Wasser die Oberhand behalten könnte. Aber moderner Fortschrittswahn und ewige Geldgi
Kommentieren April 15th, 2006
Am einfachsten war der Umzug für Dackel Joki, ist er doch sozusagen ein Weltbürger und in Frankreich so herzlich willkommen, daß niemand etwas von ihm wissen will, allenfalls mit schnalzendem „salut“ und strahlenden Augen die Jäger. Er brauchte also lediglich von der deutschen Hundesteuerpflicht entbunden werden, hierzulande bewegt er sich, vor allem der verrückten „chasseurs“ wegen, steuerfrei! Und seine Haftpflicht ist bereits ohne Rückfrage in der Versicherungspolice unseres Hauses inbegriffen. Joki hat das verdient, schließlich ist er ja als echter Provenzale zur Welt gekommen, wenngleich auch mit schwäbischen Preisträgern in der Ahnentafel.
Für Karin und Peter erwies sich die Übersiedlung zunächst auch als harmlos, immerhin sind sie Bürger der Europäischen Union und zahlen mit gleicher Münze! In Stuttgart genügte die Abmeldung auf dem Rathaus, aber hier gilt es nun die „Carte de Séjour“ zu erwerben!
Vom Finanzamt wollen wir noch nicht reden, das wird erst in einem Jahr zur echten Aufgabe. Als pensionierte Beamte bleiben wir weiter in Deutschland steuerpflichtig, werden allerdings in Steuerklasse I eingestuft, wenn wir nicht den „Antrag auf Behandlung als unbeschränkt einkommensteuerpflichtiger Arbeitnehmer nach § 1 Abs. 3, § 1a EstG“ (mit Anlage Grenzpendler EU/EWR zum Antrag auf Lohnsteuerermäßigung), unterschrieben vom französischen Finanzamt, in Stuttgart vorlegen; diese große Gefahr ist erfolgreich abgewendet! Unsere Steuererklärung müssen wir mit neuer Nummer künftig beim Finanzamt Stuttgart Körperschaften abgeben; schön, einmal körperlich-fiskalisch erfaßt zu werden!
Wir sammeln so nach und nach die Unterlagen und verfertigen einige Übersetzungen; so lernt Peter zum Beispiel, daß der Standesbeamte ein „officier d´état civil“ ist. Da liegen jetzt vor:
Kopien unserer Personalausweise, Kopien unserer Geburtsurkunden (bei Karin in Sütterlinschrift!), Kopie der Heiratsurkunde, je vier Passbilder, Bestätigungen zur deutschen Krankenversicherung, Kopien unserer Pensionszahlungen (und eine Bescheinigung der französischen Bank über monatliche Eingänge), die Abmeldung aus Stuttgart (wird hier aber nicht gebraucht), Kopien zur Telefon- und Wasserrechnung, Kopien der Taxe d´habitation und natürlich eine Menge (unbestätigter) Übersetzungen.
Wider die Auskünfte unserer Mairie konnten wir die Anträge im Februar nicht direkt bei der Préfecture des Départements Vaucluse in Avignon abgeben, und so begann der Dienstweg für unsere Unterlagen, verzögert durch zwei Reisen und insbesondere die französischen Banknachweise, erst am Freitag, 8. März 2002 auf unserer Mairie, und er wird auch ohne Nachträge viele Monate dauern! Anfang Mai ist der erste fällig: Aus irgendeinem Grund hat irgendwer unsere Anträge neu geschrieben, und jetzt fehlen natürlich unsere Unterschriften. Außerdem konnte die Wasserrechnung wegen der Stuttgarter Adresse nicht anerkannt werden, doch finden wir zum Glück eine neue Telefonrechnung mit der hiesigen Adresse. Das ist jetzt der Nachweis, daß wir tatsächlich hier wohnen – wäre das nicht auch eine geniale Lösung für das deutsche Einwohnermeldewesen?
Dann kommt am 10. Juni Post aus Avignon, und am Freitag, 14. Juni halten wir unsere vorläufige „Carte de séjour“ in Händen, die endgültige schließlich Ende Juli, aber nur Peter. Karins Karte blieb irgendwo auf dem Amts- oder Postweg liegen – oder sie darf gar nicht hier bleiben, dann müßte Peter halt auch wieder gehen … (erhalten Ende September!)
Am spannendsten wurde es aber doch für unseren Opel Astra Caravan! Er ist ja global zu sehen: Opel – General Motors mit Produktionsstätten und Vertrieb weltweit und braucht in Frankreich eigentlich nur eine neue Zulassung („Immatriculation d´un véhicule“); Kfz-Steuer zahlen wir hier nicht mehr. Vielleicht ist deshalb das Verfahren so verfahren? Wir wurden mehrfach gewarnt: Du rennst von A nach B. Du brauchst immer neue Stempel. Das kostet bald 2000 F – oder mehr. Deine Karre guckt eh keiner an, Hauptsache du hast genügend Papiere. Du mußt nach Avignon. Nein, es genügt Apt. Die behalten ohne Bestätigung sogar den Kfz-Brief ein! Es dauert auf alle Fälle!
Es folgt die Liste der notwendigen Papiere (alle zweifach, z.T. Originale mit Kopie!), versehen mit Kommentaren und einigen Erlebnisberichten:
Der eigentliche Antrag auf Zulassung, nur eine einzige (1) DIN A4 – Seite mit drei Seiten Kommentar,
Kopien von Kennkarte oder Paß und Führerschein,
Aufenthaltsgenehmigung u.ä. (wegen Deiner Person) – entfällt neuerdings,
Versicherungsnachweis in Frankreich,
Wasser - oder Telefonrechnung o.ä. (wegen Deines Wohnortes) – entfällt neuerdings,
Rechnung über den Autokauf,
Original-Kraftfahrzeugbrief und –Kraftfahrzeugschein samt Kopien,
Eine Bestätigung des Herstellers über den Fahrzeugtyp, ob konform mit den französischen Bestimmungen
Bei der Opelwerkstatt in Apt werden wir auf die Opel-Zentrale in Paris verwiesen, aber statt des erbetenen Zertifikats kommt postwendend die Aufforderung zwei Bögen DIN A4 auszufüllen, die Fahrzeugdokumente in Kopie und einen Scheck über 120 € beizulegen, um den nötigen Stempel zu erhalten! (Abgesandt am 7.3., zurück am 11.4.!) Nach vier Wochen halten wir das begehrte Konvolut in Händen: Anschreiben, zwei weitere Briefe wegen Dingen, die sie (bei 120 €!) nicht wissen und deshalb ein Teil-Attest, dazu vier Seiten allgemeine und dreizehn (13) Seiten spezielle Beschreibung. Das heißt weitere Anträge an D.R.I.R.E., die sog. „Mines“, mit Scheck!
Französischer „TÜV“-Bericht
Die „Contrôle téchnique“ wird von privaten Werkstätten gemacht, unsere gehört zur Dekra. Der Monteur war so gründlich wie freundlich und verlangte nach rund 45 Minuten rund 50 € (man vergleiche den Stempelpreis bei GM France!). Zum Glück war alles in bester Ordnung (TÜV in Stuttgart vor einem knappen Jahr), auch kein Rost, und nur zwei Kleinigkeiten sind gelegentlich nachzustellen. Der neue Aufkleber prangt an der Windschutzscheibe, der nächste Termin in zwei Jahren wird später in die „Carte grise“ eingetragen.
Am 12. 4. bekommen wir auf der Sous-Prefecture in Apt unsere unvollständigen Unterlagen gleich wieder mit; einiges fehlt noch, und es gibt offensichtlich neue Papiere, andere entfallen dafür. Auch muß wiederum ein Scheck eingereicht werden!
Demande d`Identification, ein Formular über die Fahrzeugdaten
Chèque de 67€ 38C für D.R.I.R.E.
Attestation de levée des sceaux (Consulat d´Allemagne)
Für des gesetzestreuen Deutschen tun sich am Montag drauf Fallgruben auf und die Verführung zur Illegalität: Für die französische Zulassung brauche ich vorher den Nachweis des Konsulats in Marseille, daß die deutschen Schilder „entsiegelt“ sind und das Fahrzeug abgemeldet wird. Das heißt entweder alles weitere per Post oder mit Leihwagen (Marseille und Apt) erledigen und dazwischen auf das Fahrzeug verzichten, oder einige Zeit ohne gültige Nummernschilder herumzufahren. Zum Glück entschließe mich zu letzterem – es ist nämlich legal – , nachdem ich eine französische Versicherung abgeschlossen habe, was ich natürlich bei der Zulassung auch nachweisen muß. So kommt Peter zu einer Frühlingsfahrt nach Marseille, gut 100 km in eineinviertel Stunden, wird im Konsulat freundlich bedient, erfährt endlich Genaues über manche Unterlagen, und gegen 52 € werden die Siegel abgekratzt, der Wagen in Stuttgart abgemeldet, der Kfz-Brief entwertet und alles für die französische Behörde vom Konsul höchstpersönlich bestätigt. Zum Glück war es eine angenehme Reise, am schönsten am Meer entlang, und unterwegs konnte von Ikea noch eine Lampe mitgebracht werden.
Attestation des impôts (quitus fiscal)
Tags darauf wird auf dem Finanzamt das Formular „Quitus fiscal“ ausgestellt, haargenau, obwohl es vermutlich nur um Neuwagen geht, für die eine weitere Mehrwertsteuer entrichtet werden muß (?). Und das Wunder geschieht: die zuständige Stelle in der Sous-Préfecture Apt nimmt meine Anträge samt Kopien entgegen, bescheinigt, daß ich mit den entstempelten Kennzeichen fahren darf und läßt uns auf ein gnädiges, aber nicht unbilliges Ende hoffen!
Aus Avignon kommt von der D.R.I.R.E (Direction Régional de l´Industrie de la Recherche et de l´Environement) – vormals auch für Bergwerke zuständig, so daß das letzte Wort „mines“ vermutlich zur landläufigen Abkürzung wurde – die Aufforderung am 2. Mai um 8 Uhr das Fahrzeug vorzuführen. Zusammen mit Lastwagen- und Busfahrern und einem ähnlichen Opfer („Das dauert ein Jahr!“) stehen wir im strömenden Regen vor den zugigen Hallen, an deren Seite unser Opel „untersucht“ wird, indem erneut alle Nummern nachgeschaut werden, einiges anhand des sog. TÜV-Berichtes angekreuzt wird und zuletzt doch einige Kleinigkeiten (auch „Lärm“ des Motors!) ungeklärt bleiben, aber jetzt nicht etwa untersucht und gemessen werden, sondern mit neuem Dossier der höheren Instanz in Marseille vorgelegt werden, was einige (!?) Tage dauern werde. Dann erhalte ich noch meinen Scheck über 67, 38 € zurück und stelle dafür einen neuen über 86, 90 € aus, denn man hat mal flugs die Gebühren erhöht.
Wir unternehmen unsere Pfingstreise in die Toskana noch mit den alten Schildern und vertrauen darauf, daß das möglich ist oder daß es keiner merkt; selbstverständlich bereits mit der grünen Versicherungskarte bewaffnet. Kurz darauf, gerade von einem Einkauf in Avignon zurück, kommt der Brief, daß ich die „carte grise“ auf der Préfecture in Avignon abholen könne! Leider kommt noch eine Reparatur dazwischen, doch dann ist es soweit:
Mit dem reparierten Auto fahre ich sofort nach Avignon und ziehe gegen 10.30 Uhr am Schalter die Nummer 107, vor mir wird der 64. Antragsteller aufgerufen; da das Amt von 11.30 Uhr – 14.15 Uhr Mittagpause macht, kehre ich sofort zurück. Am Donnerstag ist ausnahmsweise geschlossen, somit kommt die nächste Fahrt nach Avignon, Entfernung mehr als 40 km, am Freitag, 14. Juni frühmorgens ist es soweit. Um 8.15 Uhr reihe ich mich in die Warteschlange ein und ziehe um 9 Uhr die Nummer 11 – geschafft! Von wegen: an der Ausgabe schickt man mich zum Schalter zurück, das Wichtigste fehlt, die Angabe der puissance fiscale! Ich schimpfe ein bißchen herum, die freundliche Dame zuckt mit den Schultern, doch dann bekomme ich meine begehrte „carte grise“ mit der Nummer 8831 XD 84 und zahle für 5 chevaux 140 €! Später entdecke ich auf dem Schreiben von „Les Mines“ den Eintrag Puissance „0“! Hat mich der französische Staat jetzt betrogen? Noch vor der Heimkehr lasse ich mir die neuen Schilder anbringen, nicht zuletzt in der Vorfreude, daß mich jetzt andere Verkehrsteilnehmer als Franzosen und nicht mehr als Deutschen kritisieren oder gar beschimpfen …
Unsere Gesamtrechnung von rund 450 € erhöht sich noch um diverse Porti, eine Menge an Kopien und zahlreiche kleinere und größere Fahrten, zusammen mindestens 500 km, hin und her in unserer schönen neuen Heimat, gut und gerne also 500 € = 1000 DM = 3200 FF!
Kommentieren March 19th, 2006