Musik im Château de l’Empéri in Salon-de-Provence
Das alte Salon des Arztes und Sehers Nostradamus (geboren 1503 in St. Rémy und ab 1547 bis zu seinem Tod 1566 hier ansässig) bildet noch immer den Kern der Stadt, die überragt wird vom Schloß, „l’Empéri“ genannt, weil es im Mittelalter die staufischen Kaiser und deren Nachfolger vom 11. – 15. Jh. beherbergte, wenn sie hier weilten. Um das ältere Gemäuer ziehen sich die Vorstädte mit den großen Wohnblöcken, denn Salon ist auch für die Militärs und die Flieger („Patrouille de France“) ein wichtiger Ort. Östlich und südlich begrenzen die Autobahnen den Umkreis, und im Norden ragen in der Ferne die „Alpilles“ (ohne daß sie den Mistral abhalten könnten).
Verlassen wir Oliven und Wein, Seifen und Märkte und den alten Wahrsager (und auch den Zoo von Barben und die Höhlensiedlungen von Calès) und steigen wir zum Schloß hinauf mit seinem berühmten Militärmuseum: Im Vorhof erwarten uns im Sommer Jazzkonzerte und im Ehrenhof, in der Renaissance ausgestaltet, erlesene Kammermusik. 1993 begründeten der Pianist Eric Le Sage, der Flötist Emmanuel Pahud und der Klarinettist Paul Meyer eine Kammermusikwoche, die inzwischen zum Festival de Musique en Salon-de-Provence herangewachsen ist. Hier musizieren Meister ihres Instruments Kammermusik in oft ausgefallener Besetzung und neben den großen Meisterwerken auch weniger Bekanntes. Leider haben wir hier im Vaucluse viel zu spät davon erfahren, und erst jetzt sei von unserem ersten Besuch berichtet, der dies alles beispielhaft belegt (und wer daran nicht interessiert ist, mag hier mit dem Lesen aufhören).
Der Mistral tobt, und am Abend wird es mehr als nur sommerkühl, es wird richtig kalt, erst recht im Schloßhof, in den der Wind immer aufs neue wirbelnd einfällt und die Haare der Zuhörer genauso durchwühlt wie die Noten der Musiker. Da müssen schließlich neben den bekannten Wäscheklammern noch bis zu vier Helfer beistehen! Der großartigen Musik tut das kaum Abbruch, denn die hervorragende Akustik dieses Innenhofes hält auch diesen Attacken stand. Sie bewährt sich, so wie für uns der Blick auf den Arkturus, der nordwärts mit der Deichsel des Großen Wagens über das Schloßdach niedersinkt.
Wir hören zum Auftakt „Variationen“ von Schumann in der Fassung für Klavier, Klarinette und Violoncello, kunstvoll und teilweise sehr berührend. Dann folgt das berühmte d-moll-Klaviertrio von Mendelssohn, in dem Pahud die Violinstimme auf seiner Querflöte bläst. Peter, als Geiger, ist hingerissen! Der Genfer Emmanuel Pahud, u.a. Schüler von Nicolet, wurde mit 20 Jahren unter Abbado Soloflötist der Berliner Philharmoniker (und scheut sich auch nicht, die Violinsonate von César Franck zu flöten). Karin geht in der Pause, total durchfroren, zum Auto und kehrt, zu ihrem Glück, in eine alte, durchlöcherte Decke gehüllt, zurück. Jetzt folgt „En plein air“ für Harfe, Flöte, Klarinette und Streichquartett von Wolfgang Rihm, der heuer in fast allen Konzerten vertreten ist, dann das „Original“ in dieser Besetzung, „Introduction et Allegro“ von Ravel: eine Sternstunde! Den Abschluß, es geht schon auf Mitternacht zu, bildet eine schöne Wiedergabe des Schumannschen Klavierquintetts. (Neben den schon genannten drei Künstlern spielten noch ein weiterer Pianist, eine Harfenistin und zwei Streichquartette; wir bitten um Nachsicht, wenn wir sie nicht namentlich aufzählen.)
Zuletzt ein „Anblick“ auf Flügeln der Ravelschen Musik: Die schöne Harfenistin sitzt in rotem Gewand hinter ihrem goldglänzenden Instrument; sie hat die Schuhe abgestreift und bedient die Pedale mit nackten Füßen, während darüber die feinen Hände über die Saiten gleiten. Halb hinter ihr wiegt sich der flötende Pan im Rhythmus der Musik und setzt markante Akzente. Was raunt er ihr so beschwörend ins Ohr? Was weht er tönend in ihr schwarzes Haar?
Kommentieren August 11th, 2006
Das Haus wurde immer wohnlicher gemacht, der Garten füllte sich mit Pflanzen. Im Sommer 1984 strichen wir Wände und Decken, Albrecht kachelte das Bad, im oberen Stock glichen wir das Niveau über dem niedrigeren Bad (einst erste Raum-Aktion) aus: Leichtbausteine im WC, Holzboden im Kinderzimmer, vor dem Haus entstanden die ersten Bänkchen mit alten Bahnschwellen, Verputz- und Gipsarbeiten, die Treppe (vorgefertigt im Michael Bauer Werkhof) wurde verkleidet. M. Bourges, der Plattenleger, begann seine Arbeit mit den Bodenfliesen, die wir sehr günstig aus der Drôme bezogen hatten. Und seither können wir uns an den vielen Diskussionen beteiligen wie man Fliesen verlegt, wie man sie reinigt, wie man sie „einläßt“ und pflegt. Jeder hat seine eigene Methode und läßt entsprechende Stichworte einfließen: Kalkmörtel mit etwas Zement bestäubt, Fliesenkleber, „der Kalk blüht aus“, Salzsäure, Schmierseife, Altöl, Leinöl mit White Spirit, Wachs …
In unseren ersten Jahren in der Provence, in den 60er- und 70er-Jahren des letzten Jahrhunderts, gab es nachts außer den Himmelslichtern kaum etwas zu sehen. In den Dörfern flackerten einige einsame Straßenlampen, hie und da schimmerte Licht aus den Häusern, und in den Bauernhöfen brannte gelegentlich ein Hoflicht. Da war es ratsam, unterwegs immer eine Taschenlampe zur Hand zu haben! Gelbes oder milchiges Scheinwerferlicht tastete sich weglang und gespensterte durch Sträucher und Bäume. Es war unheimlich, wenn Blätter und Halme im Wind tanzten oder Nebelschwaden aus den Senken stiegen. In unserem Häuschen war es die Zeit der Kerzen und Öllampen, die man an den langen Abenden sorgsam anordnete, um genügend Licht zum Lesen zu haben. Später galt es, das Solarlicht sparsam zu verwenden, denn die Sicherungen der teuren Batterien schalteten unerbittlich ab, wenn das Minimum erreicht war (und nur ich kannte den Griff, um notfalls noch eine Weile Strom zu zapfen).