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Purpur in der Provence

Purpurglut am Himmel, des Morgens, am Abend. Manche Rosenblüte, Granatäpfel, gewisse Malven, Flecken auf Schmetterlingsflügeln. Zuerst die Phönizier, danach griechische Tuchfärber in Massalia, Senatoren und Gesandte im römischen Vaison und Orange. Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, wozu auch lange die Provence gehört hatte. Päpste und andere geistliche Würdenträger in Avignon, ihrem goldenen Gefängnis. Und heute?

Wer die steilen Gassen in Lacoste am Luberon hochsteigt, erreicht zuletzt die Mauerreste des alten Schlosses, in dem einmal der berüchtigte Marquis de Sade zu Hause war (und wo heute in einem restaurierten Turm von Zeit zu Zeit der Modeschöpfer Cardin residiert, der im Sommer im alten Steinbruch sein Festival veranstaltet). Nicht weit davon lebt seit vielen Jahren die deutsche Malerin Inge Boesken-Kanold – und bei ihr findet man den kostbaren Purpursaft! Sie beschäftigt sich schon seit langem mit Naturfarben und vertiefte speziell ihre Kenntnisse über die Purpurschnecke und die Gewinnung ihres Saftes, mit dem sie auch in vielfältiger Weise malerisch experimentiert. Darüber ist in der großartigen Zeitschrift „mare“ im Heft Nr. 59 (Ende 2006) unter der Überschrift „Die Farbe der verlorenen Zeit“ ein umfänglicher Artikel von Maik Brandenburg erschienen.

Kommentieren December 30th, 2006

Rudolf Bonvie, „La Sainte Victoire“, in der Galerie Justine Lacroix in Marseille

DSCF7354.JPGAm Gewitternachmittag lud mich Hermann zur Fahrt nach Marseille ein. Wir hatten Glück, denn vor der Küste hörte der Regen auf, und zuweilen glänzte das Meer unter den Wolkenballen. Nur über der Stadt stand lange eine schwarze Wand, vor der sich leuchtend die Häuser, aufblitzend die Möwen abhoben. Im Stau auf der Hochbrücke gab es gute Gelegenheit, auf den Hafen zu schauen und im Stau in der Innenstadt den Fortschritt im Gleisbau der Straßenbahn wahrzunehmen. Zuletzt fanden wir in der Rue Saint Savournin nahe der kleinen Galerie Justine Lacroix (nach de Sades Justine) noch einen verkehrswidrigen Parkplatz, was aber in der Rushhour keinen störte.
DSCF7378.JPG Wir begrüßten den Künstler Rudolf Bonvie, der in Lyon und in Köln lebt, den Galeristen und seine Familie und fanden uns in einer kleinen Schar vorwiegend jüngerer Künstler, Kunstliebhaber, Kritiker, drinnen vor den wenigen Bildern, draußen auf dem Gehweg bei Knabbereien, Getränken, Zigaretten.
DSCF7375.JPG Rudolf Bonvie arbeitet seit langem mit der Digitalkamera und der Bildbearbeitung mit dem Computer. „Mit der Maus als Pinsel“ entstehen großformatige Bilder, die malerische Qualitäten auszeichnen. Hier zeigte er aus Anlaß von Cézannes Tod vor einhundert Jahren Bilder der Montagne Ste. Victoire aus der Zeit von 1997 – 2003.

DSCF7361.JPGNach der Rückkehr entspann sich unter Karins Gästen eine lebhafte Diskussion, bei der uns die Malerin Inge Bösken-Kanoldt zum genauen Betrachten der mitgebrachten Prospekte zwang. Besonders spannend war das Gespräch über „Sainte Victoire III“, einer zweiteiligen Fotoarbeit von 1997. Auf dem großen Bild fehlt zum Cézannegemälde die Senkrechte des Stammes, und der grüne Kiefernzweig liegt wie drohend über dem Berg; das Ganze erinnert an ostasiatische Bilder. Das kleinere Bild zeigt einen verdorrten, gar brennenden Zweig über der Sainte Victoire, und groß sind darunter und darüber die Städtenamen Vitrolles und Marignane, Orange und Toulon eingetragen. Was haben diese Städte mit dem Berg Cézannes zu tun? Dort hatte in jenen Jahren die rechtsradikale Front National die Bürgermeisterämter erobert. Wird die Kunst verdorren? DSCF7366.JPGWird das Land in Flammen stehen?

Kommentieren September 18th, 2006

Musik im Château de l’Empéri in Salon-de-Provence

2006_0811Paul-Roussillon0005.JPGDas alte Salon des Arztes und Sehers Nostradamus (geboren 1503 in St. Rémy und ab 1547 bis zu seinem Tod 1566 hier ansässig) bildet noch immer den Kern der Stadt, die überragt wird vom Schloß, „l’Empéri“ genannt, weil es im Mittelalter die staufischen Kaiser und deren Nachfolger vom 11. – 15. Jh. beherbergte, wenn sie hier weilten. Um das ältere Gemäuer ziehen sich die Vorstädte mit den großen Wohnblöcken, denn Salon ist auch für die Militärs und die Flieger („Patrouille de France“) ein wichtiger Ort. Östlich und südlich begrenzen die Autobahnen den Umkreis, und im Norden ragen in der Ferne die „Alpilles“ (ohne daß sie den Mistral abhalten könnten).

Verlassen wir Oliven und Wein, Seifen und Märkte und den alten Wahrsager (und auch den Zoo von Barben und die Höhlensiedlungen von Calès) und steigen wir zum Schloß hinauf mit seinem berühmten Militärmuseum: Im Vorhof erwarten uns im Sommer Jazzkonzerte und im Ehrenhof, in der Renaissance ausgestaltet, erlesene Kammermusik. 1993 begründeten der Pianist Eric Le Sage, der Flötist Emmanuel Pahud und der Klarinettist Paul Meyer eine Kammermusikwoche, die inzwischen zum Festival de Musique en Salon-de-Provence herangewachsen ist. Hier musizieren Meister ihres Instruments Kammermusik in oft ausgefallener Besetzung und neben den großen Meisterwerken auch weniger Bekanntes. Leider haben wir hier im Vaucluse viel zu spät davon erfahren, und erst jetzt sei von unserem ersten Besuch berichtet, der dies alles beispielhaft belegt (und wer daran nicht interessiert ist, mag hier mit dem Lesen aufhören).

2006_0811Paul-Roussillon0010.JPGDer Mistral tobt, und am Abend wird es mehr als nur sommerkühl, es wird richtig kalt, erst recht im Schloßhof, in den der Wind immer aufs neue wirbelnd einfällt und die Haare der Zuhörer genauso durchwühlt wie die Noten der Musiker. Da müssen schließlich neben den bekannten Wäscheklammern noch bis zu vier Helfer beistehen! Der großartigen Musik tut das kaum Abbruch, denn die hervorragende Akustik dieses Innenhofes hält auch diesen Attacken stand. Sie bewährt sich, so wie für uns der Blick auf den Arkturus, der nordwärts mit der Deichsel des Großen Wagens über das Schloßdach niedersinkt.

2006_0811Paul-Roussillon0009.JPGWir hören zum Auftakt „Variationen“ von Schumann in der Fassung für Klavier, Klarinette und Violoncello, kunstvoll und teilweise sehr berührend. Dann folgt das berühmte d-moll-Klaviertrio von Mendelssohn, in dem Pahud die Violinstimme auf seiner Querflöte bläst. Peter, als Geiger, ist hingerissen! Der Genfer Emmanuel Pahud, u.a. Schüler von Nicolet, wurde mit 20 Jahren unter Abbado Soloflötist der Berliner Philharmoniker (und scheut sich auch nicht, die Violinsonate von César Franck zu flöten). Karin geht in der Pause, total durchfroren, zum Auto und kehrt, zu ihrem Glück, in eine alte, durchlöcherte Decke gehüllt, zurück. Jetzt folgt „En plein air“ für Harfe, Flöte, Klarinette und Streichquartett von Wolfgang Rihm, der heuer in fast allen Konzerten vertreten ist, dann das „Original“ in dieser Besetzung, „Introduction et Allegro“ von Ravel: eine Sternstunde! Den Abschluß, es geht schon auf Mitternacht zu, bildet eine schöne Wiedergabe des Schumannschen Klavierquintetts. (Neben den schon genannten drei Künstlern spielten noch ein weiterer Pianist, eine Harfenistin und zwei Streichquartette; wir bitten um Nachsicht, wenn wir sie nicht namentlich aufzählen.)

2006_0811Paul-Roussillon0008.JPGZuletzt ein „Anblick“ auf Flügeln der Ravelschen Musik: Die schöne Harfenistin sitzt in rotem Gewand hinter ihrem goldglänzenden Instrument; sie hat die Schuhe abgestreift und bedient die Pedale mit nackten Füßen, während darüber die feinen Hände über die Saiten gleiten. Halb hinter ihr wiegt sich der flötende Pan im Rhythmus der Musik und setzt markante Akzente. Was raunt er ihr so beschwörend ins Ohr? Was weht er tönend in ihr schwarzes Haar?

Kommentieren August 11th, 2006

Paul Signac, le bonheur en Provence

2006_0724Signac0001.JPGDas kleine und feine Musée Angladon in Avignon zeigt bis zum 15. Oktober 2006 Zeichnungen, viele Aquarelle und einige Ölgemälde von Paul Signac, der sein Glück in der Provence gefunden hatte (die er als geschickter Segler einmal auch mit dem Boot von England aus erreichte und wo er u. a. St. Tropez und die Côte d’Azur für sich entdeckte). 2006_0724Signac0002.JPGGeboren 1863 in Paris, wechselte er unter dem Einfluß der Impressionisten von der Architektur zur Malerei. Anekdotenhaft wird von seiner Begegnung mit Georges Seurat erzählt, wo die beiden jungen Künstler in einer Gruppenausstellung recht erstaunt zum ersten Male Bilder des anderen sahen, ähnlich in ihrer pointillistischen Technik. Seurat, 32-jährig verstorben, und Signac wurden zu Begründern des Neo-Impressionismus, doch beeinflußte Seurat durch seine strenge Komposition, oft mit Figuren im Raum, stärker die moderne Malerei als Signac, der sein Leben lang die Landschaft in den Mittelpunkt seines Schaffens rückte. Davon zeigt die Ausstellung in Avignon viele schöne Beispiele aus allen Schaffenszeiten: Stadtansichten und Brücken der Rhône (Viviers, Bourg-Saint-Andéol, Avignon), Häfen der französischen Mittelmeerküste (Marseille, Toulon, St. Tropez, Nizza), Landschaften des Midi, Bilder der Küste und des Meeres.

2006_0724Signac0004.JPGDie Aquarelle, leicht hingeworfen, erhalten Struktur durch klare Begrenzungen und bezaubern durch Licht und Atmosphäre. Das steigert sich in den Ölbildern von dem feinsten Morgenlicht (Avignon mit dem Papstpalast) bis zur wahren Farbenglut (Küste, Segelboot, Mandelblüte). 1892 ließ sich Signac endgültig in der Provence nieder, er starb 1935 in Paris. Von den verschiedenen Strömungen der zeitgenössischen modernen Malerei ließ sich Signac nicht beeinflussen, er blieb als Maler des Lichts und bedeutender Theoretiker seinen Ideen treu. Und so erklärt sich der oft überwältigende Farbenrausch aus dem Bemühen, die Farben des Spektrums möglichst rein und unvermischt nebeneinander zu setzen, um sie dann „erst im Auge zu mischen“.

Kommentieren July 14th, 2006

Gott erhalte dich, liebes Cucuron!

„Gott erhalte dich, liebes Cucuron, und schütze dich vor dem vermeintlichen Fortschritt.“
Wohl alle, die das verträumte Dorf am Südfuß des Großen Luberon kennen, werden dem frommen Wunsch zustimmen, mit dem Marcel Pobé 1962 die Götter um Hilfe bat. Damals erschien einer der besten Provenceführer im Walter-Verlag in Olten und Freiburg i. B., geschrieben von Marcel Pobé und illustriert mit 191 Schwarzweißfotos von Josef Rast: „Provence, Führer durch das Land im Licht“. Vor Jahrzehnten haben wir das Dorf oft besucht, wenn wir mit den Kindern und Freunden zum Baden zum „Ètang de la Bonde“ gefahren sind. Da saßen auch wir unter den riesigen Platanen am großen Wasserbecken, um von der Natur (man wähnte sich am Ètang de la Bonde mit seinen Pappeln und Weiden am Ufer wie an einem oberbayrischen See) allmählich in die Kultur (Café, Kirche, Museum, Ruine, Markt) zurückzukehren. Heute schmückt ein großes Foto die Wand des Cafés: Der Husar auf dem Dach, genauer: auf den Dächern von Cucuron, denn ein Teil des Films nach Gionos Roman wurde hier gedreht (anderes z. B. auf der Hochfläche des Contadour).

Bleiben wir kurz beim Kino: ist es nicht schön, plötzlich Bekanntes im Film zu entdecken? Wir sahen einmal einen ziemlich doofen Krimi, der uns rund um Roussillon solche, durchaus reizvolle Bekanntschaften bot – und auch Überraschungen. Wie fährt man vom Ockerdorf Roussillon mal kurz ans Meer? Ja, richtig: die Serpentinen hinab ins Tal, dann auf der Straße, die von Carpentras hoch über den Gorges de la Nesque nach Sault führt, kurz aufwärts und wieder hinab zum Städtchen am Meer! So haben wir zu den gut anderthalb Stunden, die wir bräuchten, noch einmal zwei Stunden Umweg hinzugefügt! Der Knalleffekt aber war, daß die Hauptdarstellerin, kochend vor Wut und Eifersucht, eine von Uwe Krauses Vasen zu Boden warf, daß die Längsstreifen des Dekors regelrecht zerblitzten. (In der Auftaktszene des Films schmückt sich eine außergewöhnlich schöne Töpferin, später ermordet, in ihrem außergewöhnlich modernen Haus mit fremden Federn: Töpfereien von Uwe Krause aus Goult, der auch das Teil vorbereitete, an dem sie kurz arbeitet).

Aber zurück zur Szene: Einmal erlebten wir das (verbotene) Bad einer schwedischen Touristin im Wasserbecken von Cucuron. Gewiß, es war sehr heiß, aber der Weg zu Anita Ekberg war weit (und zur Fontana di Trevi noch viel weiter). Man besuche die große, alte Kirche „ND de Beaulieu“ (begonnen im 13. Jh.) am einen Ende des Dorfes, die Burgruine mit dem Bergfried am anderen, dazwischen der Glockenturm. Man schlendere durch die Gassen, stöbere auf dem Brocante oder dem Wochenmarkt, man besuche das Museum und die alte (und neue) Ölmühle. Man fühlt sich bald wohl in dieser provenzalischen Gegenwart voller provenzalischer Erinnerungen.

Wir erlauben uns zum Schluß einen literarischen Hinweis: Bernhard Schlink (ja, der mit dem „Vorleser“!), Die gordische Schleife (richtig: nicht Knoten!), Diogenes Verlag Zürich, erstmals 1988. Man sollte die Reklame mit dem provenzalischen (Kriminal)Roman nur zu einem guten Drittel ernstnehmen, denn danach kommen New York – Fans auf ihre Kosten, aber man findet, neben anderen schönen Beschreibungen von Land, Leute, Liebe, auch eine von Cucuron:

  • „Über Mittag fuhr er nach Cucugnan. Es erstreckt sich über zwei benachbarte Hügel, den einen krönt die Kirche, den anderen die Ruine einer Burg. Um das halbe Städtchen führt noch die alte Mauer, Häuser lehnen sich daran oder stützen sich darauf. Wenn Georg mit dem Auto über die holprigen Wege fuhr und mehr noch, wenn er den halbstündigen Marsch durch die Felder machte und Cucugnan dann in den Blick kam, ocker in der Sonne leuchtend oder grau unter die Wolken geduckt, immer behäbig, heimelig, verläßlich, dann stellte sich wieder das gute Gefühl ein, das er beim ersten Besuch gehabt hatte. Vor dem Stadttor liegt der étang, ein großer, rechteckiger, ummauerter, von alten Platanen gesäumter Teich. An der stadtzugewandten Schmalseite ist der Marktplatz, daneben stellt die „Bar de l’étang“ vom Frühjahr bis zum Herbst die Tische raus. Hier ist es im Sommer kühl; im Herbst lassen die Platanen die Blätter rechtzeitig fallen, und man kann noch in der letzten Sonnenwärme draußen sitzen. Auch dieser Platz war heimelig.“

Kommentieren July 11th, 2006

In meinem Biergarten

Mein Biergarten ist natürlich keiner, aber ich sag es heute mal so, weil ich unter meiner Biergartenlinde sitze; meine Biergartenkastanie beim Brunnen steht übrigens im Blickfeld! Ich trinke ein Glas Crémant, und um mich ist Stille! Selbst die Zikade ist verstummt, es ist ihr wohl trotz der Sommerhitze „canicule“ (merket auf, ihr Sterngucker!) zu windig. Also nichts mit Bayern, obwohl der Himmel bläut, nichts mit Radi, wohl aber später kleine Tomaten aus dem Gärtchen. Nichts mit deutschen Fahnen und Bier nach deutschem Reinheitsgebot, noch weniger mit Trikolore und Champagner. Aber zurück zum Platz (den Zidane in seinem letzten Spiel seiner großen Karriere nach einer Tätlichkeit mit einer roten Karte verlassen mußte. Und wie schrieb noch Le Figaro: „Zidane – Apothéose!“ Und anderswo las ich vom „L’ange bleue.“ Nun ja, es gibt auch gefallene Engel.): der Sitz-Platz unter der Linde ist eine ehemalige Stuttgarter Straßenbahnschwelle, die Lehne eine alte, stets beschattete Steinmauer, der Tisch ein quadratischer Säulenstumpf mit kleiner Sandsteinplatte; darauf, um Zeitungen und Briefpapiere zu beschweren, ein Straußensandsteinei vom Acker und ein flacher Kiesel. Falsch: jetzt beiseite gelegt, um dem Laptop und der Maus Platz zu machen. Doch nun zur Aussicht aus meinem Lindenschutz unter tiefhängenden Zwei

Kommentieren July 11th, 2006

Die Abtei St. Hilaire

2006_0612MaurerViens0004.JPGZwischen dem Kleinen Luberon und dem Tal des Calavon erstreckt sich eine Hügelkette mit Wäldern, Weinfeldern und vielen Steinbrüchen. Auf einem Sattel westwärts liegt das Dorf Ménerbes, am letzten Abhang ostwärts Lacoste mit seiner Schloßruine. Auf halbem Weg führt von der Verbindungsstraße D 109 eine breite Piste abwärts zu einem besonnten und gegen den Mistral geschützten Plateau auf halber Höhe mit einem schönen Blick auf das Valmasque-Tal und zum Luberon. Hier entstand im 13. Jh. eine kleine Karmeliter-Abtei, die sich nach wechselvoller Geschichte und mancher Zweckentfremdung heute in Privatbesitz befindet und unentgeltlich für einen Besuch offensteht. Die Besitzer kümmern sich seit fast 50 Jahren sehr engagiert um den Erhalt der Klostergebäude und der Gartenanlagen. Durch manche Probe unseres kleinen Chors wurde mir, wie vielen anderen, dieser Ort besonders lieb.2006_0612MaurerViens0005.JPG An der Bergseite liegt die kleine romanische Kirche (mit ihrer guten Akustik), die man durch eine Vorhalle betritt. Nach links öffnen sich vom hohen Schiff aus zwei kleine Seitenkapellen, nach Osten wird der Chorraum mit seinen drei Fenstern in ebener Front abgeschlossen. Nach rechts gelangt man in einen Innenhof, der mit zwei überdachten Gängen als Kreuzgang gedient hat und seine ungleiche Grundform dem felsigen Untergrund verdankt. Vom Kapitelsaal blickt man über einen Garten hinweg zum Luberongebirge hinüber. Weitere Räume und auch die Küche schließen sich quer an. Die Südwestecke und die Obergeschosse sind bewohnt.

2006_0612MaurerViens0025.JPGSehr schön ist der Platz hinter den Abteigebäuden mit seinen Säulen, Felsnischen, Wasserbecken, Rosenbüschen und den Zypressen auf der hohen Bastei, die auf ein tiefer gelegenes Wasserbecken blickt. Die Quellen und Grotten weisen darauf hin, daß hier gewiß schon lange fromme Einsiedler gewohnt haben, ehe die Kirche gebaut und dem Heiligen Hilarius von Arles geweiht wurde. Auf seiner Rückkehr vom 7. Kreuzzug (1254) weilte hier auch Ludwig der Heilige und erhob den Konvent zu einer königlichen Abtei. Übrigens sind die auffälligen Löcher in der Ostwand außen Reste eines alten „Pigeonniers“, hier einer „Taubenmauer“.
2006_0612MaurerViens0026.JPGIm Tal findet man 2 km nach Ménerbes in Richtung Bonnieux den „Dolmen von Pichouno“, 2500 J. v. Chr., das einzige Beispiel im Vaucluse.

1 Kommentar June 26th, 2006

Saint-Gabriel bei St. Étienne du Grès

2006_0811Paul-Roussillon0050.JPGVom westlichen Ende der „Alpilles“ blickt man über die weite Ebene südlich nach Arles mit den Ruinen von Montmajour, nordwärts zu den Hügeln „La Montagnette“ bei Avignon und nach Westen hinüber zur Rhône mit Tarascon und Beaucaire. Jetzt versetze man sich zurück ins hohe Mittelalter: Zu Füßen des Gebirges drängt sich die Rhône schäumend gegen den Kalkfels, zwischen ihren vielen Armen liegen Kiesbänke und Sümpfe. Der uralte Handelsweg „Via Agrippa“ der Römer von Arles nach Norden führt hier vorbei und kreuzt den Ost-Westweg, die „Via Domitia“, von der Haute Provence ins Languedoc. Fischerboote schwanken an ihren Stricken, eine Fähre quert den Strom und die Fahrt der H2006_0811Paul-Roussillon0048.JPGandelsboote, die talab treiben, bergauf getreidelt werden, Floße schwimmen südwärts. Eine Prozession von Fischern, Fuhrleuten, Schiffern und ihren Frauen zieht das Ufer entlang zur Kapelle „Saint-Gabriel“. Schon von weitem erblicken die Gläubigen im Giebelfeld das „Viergetier“; es ist ihnen von anderen Kirchen im romanischen Süden vertraut: seitlich der Löwe des Markus und der Stier des Lukas, sie werden ihnen im Altarraum wieder begegnen, und oben der Adler des Johannes, unten der Engel-Mensch des Matthäus. Singend steigen sie treppauf zur kleinen Vorhalle, um in das kühle Dunkel einzutreten. Diesen Schwellenübertritt von der Landschaft außen in den Kultraum innen markiert das Viergetier.

2006_0811Paul-Roussillon0049.JPGIm vergleichsweise reichen plastischen Schmuck des Einganges werden die Frommen an den Sündenfall erinnert und an den Propheten Daniel, der von Christus kündete, hier zwischen zwei besänftigten Löwen. Darüber erblicken sie Bilder von der Geburt

Kommentieren June 10th, 2006

„Rhone Saga“ von Pierre Imhasly

„An René Char bin ich die Steilwände hochgestiegen, jahrelang, doch man stellt sich nicht vor, wie Bodrerito den hineinzieht: in den Bauch.
So darf man es nicht sagen, das wäre zu wenig, es läuft über die Sinne, dann über einen sechsten, der Osmose ist, über die Poren: jede einzeln.
Steif ausrufen: je ne lis pas … dann aber wirst du der Strand, und die Wort-Wellen dieses Meeres lecken dich.
Bodrerito, man reiht sie fürwahr unter jene Matinaux, die allein den Dichter kümmerten.”

Hier ist auf ein großartiges und großformatiges Erzähl-, Gedicht-, Essay- und Bilderbuch hinzuweisen, fast ein halbes tausend Seiten stark, das 1996 im Verlag Stroemfeld/Roter Stern (Basel und Frankfurt a. Main) erschienen ist. Die Wasser der Rhone rauschen aus den Alpen südwärts ins hellere Licht, dann und wann aufbrausend vom Mistral begleitet. Auch der Dichter ist auf dem Weg vom Wallis nach Süden, nach Nîmes, angezogen von seiner Liebsten „Bodrerito“. Und der Fluß raunt: „J’ai un fleuve qui court après ma femme.“

Unser Reiseführer auf höchst persönliche Art ist der Schweizer Schriftsteller Pierre Imhasly, d

Kommentieren May 30th, 2006

Vom Massiv des Cedres im Petit Luberon zum Turm Philippe

2006_0612MaurerViens0003.JPGMan erreicht das berühmte „Massiv des Cedres“ im Petit Luberon von Bonnieux aus über die Straße nach Lourmarin (D 36), von der man auf der Paßhöhe nach rechts abbiegt. Nach der geheimnisvollen Mauer, hinter der man Rapunzel vermutet, fährt man zur Höhe, vorbei an einem Café-Restaurant und einer Mautstelle während der Saison. Noch vor dem großen Parkplatz (mit zwei Schwellen) geht links ein Weg ab, mit einer Schranke gesichert. Dem folgt man, stets der blauen Markierung nach, gemächlich abwärts. An Ostern blühen hier die blauen und gelben Iris und die kleinen duftenden Osterglocken, im Mai dann die Zistrosen, Binsenlilien, Königskerzen, der blaue Lein, Salbei.

Dort, wo der Weg abrupt nach links abbiegt, gelangt man geradeaus zu einem schönen Platz mit Aussicht, von dem nur noch Jägerpfade in die Tiefe führen. Der Blick reicht bis zur Montagne Sainte Victoire und den Bergen bei Marseille! Abwärts erreicht man zuletzt einen Querweg. Von hier aus gelangt man, wieder der blauen Markierung folgend, nach links stetig sanft aufwärts über viele Köhlerplatten hinweg zur Höhe, zuletzt steil aufwärts, und der blauen Markierung nach links folgend (Ausblicke!) auf den Ausgangsweg zurück.

Schöner ist der Weg rechts abwärts, der bald auf den Wanderweg GR 97 (rot-weiß) von Süden trifft; es ist der alte Karrenweg von Lauris nach Bonnieux, dem man nach links aufwärts folgt. So erreicht man am Tour Philippe vorbei am Café-Restaurant die Straße.
Auf ihr gelangt man aufwärts wieder zum Parkplatz; so ist der Weg zwar länger, aber die Straße lohnt mit phantastischen Ausblicken: im Osten das Montagne de Lure und die Alpen, nordwärts Blick ins Tal und zum Mt. Ventoux, südlich die Montagne Sainte Victoire.

Vom Turm Philipps wird erzählt, der Besitzer des Grundstückes wollte unbedingt bis zum Meer schauen können; die romantische Variante aber geht so: Während des Baus verliebte sich der Maurer in die schöne Hausherrin, und um ihr möglichst lange nahe sein zu können, baute er den Turm höher und höher.

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