Zwischen dem Kleinen Luberon und dem Tal des Calavon erstreckt sich eine Hügelkette mit Wäldern, Weinfeldern und vielen Steinbrüchen. Auf einem Sattel westwärts liegt das Dorf Ménerbes, am letzten Abhang ostwärts Lacoste mit seiner Schloßruine. Auf halbem Weg führt von der Verbindungsstraße D 109 eine breite Piste abwärts zu einem besonnten und gegen den Mistral geschützten Plateau auf halber Höhe mit einem schönen Blick auf das Valmasque-Tal und zum Luberon. Hier entstand im 13. Jh. eine kleine Karmeliter-Abtei, die sich nach wechselvoller Geschichte und mancher Zweckentfremdung heute in Privatbesitz befindet und unentgeltlich für einen Besuch offensteht. Die Besitzer kümmern sich seit fast 50 Jahren sehr engagiert um den Erhalt der Klostergebäude und der Gartenanlagen. Durch manche Probe unseres kleinen Chors wurde mir, wie vielen anderen, dieser Ort besonders lieb. (more…)
1 Kommentar June 26th, 2006
Vom westlichen Ende der „Alpilles“ blickt man über die weite Ebene südlich nach Arles mit den Ruinen von Montmajour, nordwärts zu den Hügeln „La Montagnette“ bei Avignon und nach Westen hinüber zur Rhône mit Tarascon und Beaucaire. Jetzt versetze man sich zurück ins hohe Mittelalter: Zu Füßen des Gebirges drängt sich die Rhône schäumend gegen den Kalkfels, zwischen ihren vielen Armen liegen Kiesbänke und Sümpfe. Der uralte Handelsweg „Via Agrippa“ der Römer von Arles nach Norden führt hier vorbei und kreuzt den Ost-Westweg, die „Via Domitia“, von der Haute Provence ins Languedoc.
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Kommentieren June 10th, 2006
„An René Char bin ich die Steilwände hochgestiegen, jahrelang, doch man stellt sich nicht vor, wie Bodrerito den hineinzieht: in den Bauch.
So darf man es nicht sagen, das wäre zu wenig, es läuft über die Sinne, dann über einen sechsten, der Osmose ist, über die Poren: jede einzeln.
Steif ausrufen: je ne lis pas … dann aber wirst du der Strand, und die Wort-Wellen dieses Meeres lecken dich.
Bodrerito, man reiht sie fürwahr unter jene Matinaux, die allein den Dichter kümmerten.”
Hier ist auf ein großartiges und großformatiges Erzähl-, Gedicht-, Essay- und Bilderbuch hinzuweisen, fast ein halbes tausend Seiten stark, das 1996 im Verlag Stroemfeld/Roter Stern (Basel und Frankfurt a. Main) erschienen ist. Die Wasser der Rhone rauschen aus den Alpen südwärts ins hellere Licht, dann und wann aufbrausend vom Mistral begleitet. Auch der Dichter ist auf dem Weg vom Wallis nach Süden, nach Nîmes, angezogen von seiner Liebsten „Bodrerito“. Und der Fluß raunt: „J’ai un fleuve qui court après ma femme.“
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Kommentieren May 30th, 2006
„Jetzt trink mr a Schatösche!“ pflegt Schwager Reinhard zu sagen, gleich, ob es um Rouge, Rosé oder Blanc geht. Da lob ich mir die schlichten Namen unserer heimischen Weingüter „La Verrière“ (Glasbläserei), „La Tuilière“ (Ziegelei), „Le Coulet Rouge“, oder im schwäbischen Fellbach, Stadt der Kindheit und Jugend, Aldinger, Häußermann, Schnaitmann.
Nun zeigt uns Murschetz in der „ZEIT“ vom 24. Mai 2006 seine Neuentdeckung, an die ich künftig immer denken werde, wenn wir in unserem kleinen Chor in Goult unser Lied „Chanson à boire“, ein Renaissance-Madrigal von Gabriel Bataille, singen, das unsere Chorleiterin Marie-France Reynet stets mit „La migraine“ ankündet, heißt es dort nämlich umgekehrt (!): „Qui veut chasser une migraine, n’a qu’à boire toujours du bon!“
Kommentieren May 30th, 2006
Man erreicht das berühmte „Massiv des Cedres“ im Petit Luberon von Bonnieux aus über die Straße nach Lourmarin (D 36), von der man auf der Paßhöhe nach rechts abbiegt. Nach der geheimnisvollen Mauer, hinter der man Rapunzel vermutet, fährt man zur Höhe, vorbei an einem Café-Restaurant und einer Mautstelle während der Saison. Noch vor dem großen Parkplatz (mit zwei Schwellen) geht links ein Weg ab, mit einer Schranke gesichert. Dem folgt man, stets der blauen Markierung nach, gemächlich abwärts. An Ostern blühen hier die blauen und gelben Iris und die kleinen duftenden Osterglocken, im Mai dann die Zistrosen, Binsenlilien, Königskerzen, der blaue Lein, Salbei.
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Kommentieren May 16th, 2006
Vor Jahrzehnten wählten wir einmal bei der Fahrt nach Stuttgart den Weg über Buis-les Baronnies nach Serre und blickten voll Staunen vom Col d’Ey auf den weiten Kessel von Ste. Jalle, den das Wasser des Ennuye ausgebildet hat. Jetzt standen wir wieder dort, um nach einem Besuch der Kirche in Ste. Jalle ins obere Ouvèze-Tal zu fahren.
Die romanische Kirche inmitten der Felder abseits des kleinen Dorfes, heute ND de Beauvert genannt, stand einst unter dem Einfluß von Cluny, doch verwaiste das Priorat schon im Mittelalter. Der Name Sainte Jalle geht wohl zurück auf die Jungfrau Galla im Kloster Valence, die im frühen Mittelalter lebte.
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Kommentieren May 14th, 2006
Der Mensch steht der Natur gegenüber – und weiß sich doch eins mit ihr, wenn er lernt, den Zwiespalt erkennend oder fühlend zu überwinden. Im Wochenspruch Rudolf Steiners heißt es z. B. „Ich fühle Wesen meines Wesens: / So spricht Empfindung, / die in der sonnerhellten Welt / Mit Lichtesfluten sich vereint; / Sie will dem Denken / Zur Klarheit Wärme schenken / Und Mensch und Welt / In Einheit fest verbinden.“ Der Dichter und Bauer Christian Wagner aus Warmbronn bei Stuttgart (vgl. den Blogeintrag „Blühender Kirschbaum“) suchte zeitlebens die Verbindung zu aller Kreatur und kündete von ihr als „Märchenerzähler, Bramine und Seher“ und als Beschützer der Pflanzen und Tiere. Man mag heute manche seiner Gedichte als seltsam oder naiv abtun, und es haben beileibe nicht alle die hohe Qualität, die die Kenner bei einigen rühmen, aber man wird stets berührt sein von diesem eindringlichen Reden über die Natur. Auf einer Fahrt in die alte schwäbische Heimat erlebten wir dieser Tage einen langen Frühling: schon zu Ende gehend in der Provence mit verblühten Kirschen, solche in vollem Blust an Rhein und Neckar, erst zart sich öffnend auf den Höhen. Und so auch die Buchen: unten im hellen Grün, auf der Albhochfläche noch in Knospen, und dann überall die Platten, die Seen, ja Meere von weißen Anemonen!
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Kommentieren May 9th, 2006
Die Gegend um Les Baux ist berühmt für seine Olivenöle und Weine, so auch Maussane und Paradou. Wir beginnen den großen Spaziergang beim Friedhof und folgen aufwärts, später nach links der gelben Markierung. Durch eine reiche Gartenlandschaft mit alten und neuen Häusern, nach links kommt man zur bekannten Ölmühle, gelangen wir westwärts aus dem Ort hinaus. Hier breiten sich unter den Kalkfelsen die Olivengärten aus, die südwärts von saftigen, baumumstandenen Wiesen begrenzt werden. Dort erreichen wir das Château d’Escanin, einen zauberhaften Platz mit Herrenhaus und Bauernhaus, Stallungen und Schäferei, Scheune, Öl- und Getreidemühlen, Kapelle, „Rapunzel“-Turm, alles umstanden und beschattet von riesigen Platanen. Dafür konnten sich einst schon Frédéric Mistral und seine Gefährten der „Félibrige“ begeistern, und wir können uns heute phantasievoll ausmalen, was hier Schönes und Nützliches Heimstatt haben könnte.
Bald darauf gibt es zwei Möglichkeiten, den Spaziergang zu einer größeren Wanderung auszudehnen: westwärts weiter, dann nach Norden in Richtung Les Baux und nach Osten wieder zurück, oder westwärts weiter, dann aber nach Südwesten und jenseits des Hügels ostwärts zurück. Unser Spaziergang führt aber direkt nach Paradou, ebenfalls gelb markiert. Wir überqueren die Hauptstraße und folgen der Platanenallee, vorbei am Bildstock des Hl. Rochus und vorbei an einigen schönen alten Häusern. Zuletzt kehren wir über das Sträßchen D 78c mit gelegentlichen Blicken nach Les Baux nach Maussane zurück und gelangen nach rechts, vorbei am Rathaus, dem alten Waschhaus, dem zentralen Platz wieder zur Gasse, die links aufwärts zum Friedhof führt.
Kommentieren April 18th, 2006
Mit all der Pracht der blühenden Bäume von der Mandel über Aprikose und Pfirsich, Schlehe und Pflaume, bis zu Apfel und Kirsche, Judasbaum und Glyzinie breitet sich auch am Boden ein Blütenflor sondergleichen aus. Da stehen als weißes Meer im satten, feuchten Wiesengrün die Narzissen, und manch einer weiß die Plätze, an denen sie man zuerst findet und jene, wo sie zuletzt noch aufblühen. Schön, wenn sie den Tisch zur Osterzeit schmücken! Goldglanz und süßen Duft verbreiten dann die kleinen Osterglöckchen, die tief zwischen den Kalkfelsen wurzeln; ihr Duft ist manchem zu stark und übertrifft, wie die intensive Farbe, jenen der Garten-Osterglocken.
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Kommentieren April 17th, 2006
Feuer und Wasser als „Feuerwasser“ müßte in der Provence eigentlich der Pastis sein, oder ist es der Marc, der Traubenschnaps? Doch darum geht es hier nicht. Es geht vielmehr um die Plagen des Landstrichs und um die Freuden von allerlei Landstreichern. Seit alters zählt die Durance zu den drei provenzalischen Geißeln und gemeint sind ihre verheerenden Überschwemmungen, und deshalb soll vom Zuviel und vom Zuwenig des Wassers die Rede sein. Die verheerenden Feuer aber sind die Waldbrände, und es gilt des heroischen Kampfes der Pompiers zu gedenken; aber auch im Kleinformat läßt sich zündeln! Zwar steht der Löschwasserschaden am Ende vieler Brände, aber hier mag das feuchte Element den Vortritt haben!
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Kommentieren April 15th, 2006
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