Walter Benjamin über den „Angelus Novus“ von Paul Klee
December 17th, 2006
Diesen Text fand ich im Weihnachtsbrief unserer Freundin Christiane G., er soll den Blogeintrag über den Schriftsteller erweitern:
„Es gibt eine Bild von Paul Klee, das Angelus Novus heißt. Ein Engel ist darauf dargestellt, der aussieht, als wäre er im Begriff, sich von etwas zu entfernen, worauf er starrt. Seine Augen sind aufgerissen, sein Mund steht offen, und seine Flügel sind ausgespannt. Der Engel der Geschichte muß so aussehen. Er hat das Antlitz der Vergangenheit zugewendet. Wo eine Kette von Begebenheiten vor uns erscheint, da sieht er eine einzige Katastrophe, die unablässig Trümmer auf Trümmer häuft und sie ihm vor die Füße schleudert. Er möchte wohl verweilen, die Toten wecken und das Zerschlagene zusammenfügen. Aber ein Sturm weht vom Paradiese her, der sich in seinen Flügeln verfangen hat und so stark ist, daß der Engel sie nicht mehr schließen kann. Der Sturm treibt ihn unablässig in die Zukunft, der er den Rücken kehrt, während der Trümmerhaufen vor ihm zum Himmel wächst. Das, was wir Fortschritt nennen, ist dieser Sturm.“
Das Bild hat Walter Benjamin 1921 erworben und später Gershom Scholem vermacht, der berichtet, daß Benjamin im „Angelus Novus“ zunächst seinen eigenen Engel sah, ihn später mit Karl Kraus in Verbindung brachte, bis er schließlich um 1940 angesichts der ungeheuren Bedrohung durch den Faschismus für ihn zum Engel der Geschichte wurde.
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